Rückblicke auf Umtrunk und Hot Spot

Wie wir schon angekündigt hatten, mussten wir Freitag ein umfangreiches Programm über die Bühne bringen. Weil Bilder mehr sagen als tausend Worte, hier einige Impressionen. Wer mehr sehr sehen will, besuche unseren Flickr-Auftritt (rechts zu sehen). Viel Spaß damit.

DSC_0650Das Thema unseres Hot Spots

DSC_0669 Die Gäste und Moderatoren von links nach rechts:

Denise Hoßfeld, HAM Hamburg;

Michael Müller, Student;

Armi Roth-Bernstein-Wiesner, Bibliothekarin im Ruhestand;

Marcel Testroet, FH Köln

DSC_0730 Viel los beim Umtrunk

DSC_0707Seht her: Unser LIS-Corner-Gebäck

DSC_0726Auch die FaMIs vom „FaMI-Treff“ gegenüber waren mit von der Partie. Schön, wenn Bibliothekare und FaMIs sich so gut verstehen. 🙂

Vergesst das Wetter: Heiter wird es bei der LIS-Corner

Wie aufmerksame Leserinnen und Leser schon längst wissen und sich hoffentlich schon dick im Terminkalender angestrichen haben, wird es heute unseren traditionellen Umtrunk am Stand geben. Zu einem reichhaltigen Buffet wollen wir mit unseren Unterstützern, Sponsoren, Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie Kolleginnen und Kollegen auf ein bislang sehr erfolgreiches Messejahr 2014 anstoßen. Kuchen wird es natürlich auch geben – und was für einen! Für uns wurde sogar eine Konditorin aktiv. Kommt vorbei und lasst euch überraschen.

Ab 17 Uhr, Halle 4.2, Stand M93.

„Der Akademisierungswahn“

von Maximilian Lowisch, HTWK Leipzig

Mit seinem nun erschienenen Buch setzt der Münchner Philosoph und ehemalige SPD-Kulturstaatssekretär Julian Nida-Rümelin während der Regierung Schröder ein Zeichen gegen die allenthalben zu vernehmenden Rufe nach mehr Akademikern. Die leider viel zu kurze Diskussion nutze Nida-Rümelin dazu, darauf aufmerksam zu machen, dass die Arbeitslosigkeit in den drei Ländern mit einem dualen Ausbildungssystem in Europa – Deutschland, Österreich und die Schweiz – ausgesprochen gering sei im Vergleich zu den Ländern ohne ein solches System. Es müsse die Frage gestellt werden, warum dies so sei. Landauf, landab hieße es, dass eine möglichst hohe Bildung ein einträgliches oder gar höheres Einkommen sichere. Die Arbeitslosigkeit in Ländern wie Großbritannien, die eine besonders hohe Akademikerquote haben, sei jedoch wesentlich höher als in Deutschland. Für Deutschland sagten die Statistiken gar, dass gut ausgebildete Handwerker und Techniker ein rund 200 Euro höheres Einkommen hätten als Geisteswissenschaftler. Die einfache Gleichung „hohe Bildung = hohes Einkommen“ gehe so also nicht auf. Eine Verschwendung von Talenten sei es darüber hinaus, wenn Menschen, deren Begabungen viel praktischer lägen, zu einem Hochschulstudium gedrängt würden und es hinterher abbrechen müssten. Genauso verwehrte er sich des Arguments, er argumentiere aus einer „bildungsbürgerlichen Sicht“ stamme er doch selbst aus einer Handwerkerfamilie, was er sehr gelungen veranschaulichte. So habe in der Welt seines Vater einer, der kein Regal bauen könne – und dabei ist kein Bausatz gemeint – als nicht gebildet gegolten. Das ab und an auftauchende Unwohlsein über das Dasein als Schreibtischhengst, der im Ernstfall nicht wüsste, wie er den Strom wieder anbekommt, wurde durch diese Aussage natürlich geradezu katapultiert.

Als Bibliothekar, dessen Beruf seit etwas hundert Jahren der Akademisierung unterliegt, sprich von der Schule zur Fachschule zur Hochschule, und in dessen Disziplin sogar promoviert werden kann, muss die hier besprochene Veranstaltung mit einem besonderen Interesse betrachtet werden. Ein Beruf institutionalisiert sich vor allem durch entsprechende Ausbildungsgänge und je höher diese angesiedelt sind, desto höher, so könnte erwartet werden, ist deren Ansehen und Bezahlung. Tendenzen zur Akademisierung von Berufen beschrieb auch Nida-Rümelin und stellte die ketzerische Frage, warum Erzieherinnen und Erzieher in Krippen ein Hochschulstudium brauchten. Viel wichtiger sei hier die soziale Kompetenz. Bei den Bibliothekaren ist das subjektive Gefühl ein ganz anderes: Trotz Hochschulstudium, Bachelor, Master, ja sogar der Möglichkeit zu promovieren verursacht es immer noch Verwunderung bei vielen Menschen, wenn sie erfahren, dass Bibliothekare ein Studium zu bestreiten haben. Diese gefühlte Nicht-Aufwertung des Berufs durch seine Akademisierung wird von einer Bezahlung am unterst möglichen Rand für Hochschulabsolventen im öffentlichen Dienst flankiert. Da ist auch die Debatte rund um den Fachwirt für Informationsdienste, der den FaMI auf das Qualifikations- oder zumindest Gehaltsniveau des Bibliothekars heben soll. Und hier setzt wieder Nida-Rümelin an, indem er bemängelt, dass Ausbildungsberufe zu wenig geschätzt werden und deshalb immer mehr Menschen studieren bzw. nach der Ausbildung ein Studium aufnehmen. Müssten also nicht vielmehr Gehalt und Ansehen der FaMIs aus ihrem teilweise desolaten Tief sowie deren Aufgaben in manchen Bibliotheken als reine „Foliier- und Einstellsklaven“ auf ein annehmbares Niveau gehoben werden, anstatt auch im Bibliothekswesen einen Run um die höchsten Abschlüsse zu fördern, bei dem zum Schluss Masterabsolvent werden muss, wer noch eine E9-Stelle erhalten will, weil für diese Abschlüsse sonst keine adäquaten Stellen zur Verfügung stehen und MAs den bibliothekarischen Stellenmarkt auf der Ebene des gehobenen Dienstes besetzen? Die Podiumsdiskussion und Nida-Rümelins Buch haben diese Fragen wieder einmal drängend ins Gedächtnis gebracht und Denkanstöße geliefert.

Die LIS-Corner reist in die bibliothekarische Zukunft

von Maximilian Lowisch, HTWK Leipzig

Dass bibliothekarische Ausbildung und Studium eines der Hauptthemen der LIS-Corner sind, wird unserer Leserinnen und Leser kaum überraschen. Überraschender dagegen war jedoch, dass wir gestern am Stand ein Buch vorstellen konnten, dass sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des bibliothekswissenschaftlichen Studiums beschäftigt.

LIS-Corner - Zeitreisen in die bibliothekarische Zukunft

Frau Prof. Andrea Nikolaizig von der HTWK Leipzig stellte den Titel „Zeitreisen in die bibliothekarische Zukunft: 1914 – 2014 – 2114“ bei Sekt, Kaffee und Kuchen den erfreulich vielen Besucherinnen und Besuchern am Stand vor. Die Interessierten erhielten zunächst eine Einführung in Aufbau und Inhalt des Buches. 24 Autoren aus so unterschiedlichen Gebieten wie Philosophie, Technik und Journalismus aber auch Studierende ließ sie zu diesem Werk beitragen. Die Texte beleuchten, so wie der Titel schon verrät, unterschiedliche zeitliche Epochen des bibliothekarischen Studiums. Dass ganze 24 Autoren hier ihre Beiträge beisteuerten, muss der Herausgeberin als Verdienst angerechnet werden. Auch die Loslösung vom typischen Festschrift-Charakter bereitet Freude, sind die Beiträge doch aus unterschiedlichen Sichtweisen und nicht nur mit Bezug auf die Leipziger Bibliothekswissenschaft geschrieben. Die Ausstattung des Bandes wirkt großzügig: Ein fester Einband, der im Gegensatz zu manch anderer Fachliteratur sehr ansprechend gestaltet daher kommt. Dass die Bilder im Buch leider nur schwarz-weiß sind, mag deshalb auch zu verschmerzen sein.

Der Titel erscheint in kürze bei BibSpider und kostet 32,00 EUR.

It’s the final Countdown

von Franziska Weber, FH Köln

Endlich können wir aufhören, die Tage bis zur Buchmesse zu zählen! Es sind nämlich nur noch wenige Stunden (ca. 50 Std.), bis es endlich wieder los geht.

Das Reisefieber macht sich bemerkbar und während hier und da schon gepackt wird, die ein oder andere Kleinigkeit noch besorgt werden muss oder unsere „To-Do“-Listen irgendwie trotzdem gefühlt immer länger werden, versuchen wir natürlich den Überblick zu bewahren und an alles zu denken. Vor allem aber wächst die Vorfreude.
Zum Beispiel auf die Highlights, die Euch die LIS-Corner dieses Jahr bietet!

Wir starten am Mittwoch mit Informationen zum weiterbildenden MaLIS-Studiengang an der FH Köln. Hier könnt ihr euch den ganzen Tag aus erster Hand nicht nur über die verschiedenen Bachelor- und Masterstudiengänge informieren, sondern euch auch Informationen über den weiterbildenden Studiengang bzw. die Weiterbildung holen.

Auch am zweiten Messetag habt ihr wieder die Möglichkeit, euch über den MaLIS-Studiengang in Köln zu informieren.
Außerdem wartet von 14:30 – 16:00 Uhr eine Zeitreise auf Euch. Frau Prof. Andrea Nikolaizig von der HTWK Leipzig stellt ihr Buch „Zeitreisen in die bibliothekarische Zukunft: 1914 – 2014 – 2114“ bei uns am Stand vor. Wir freuen aus auf viele Besucherinnen und Besucher und gute Stimmung bei einem kleinen Umtrunk.
Nachdem wir am Donnerstag mit Euch von der Vergangenheit in die Gegenwart und sogar bis in die Zukunft gereist sind, geht es Freitag weiter nach Finnland. Dem diesjährigen Gastland widmen wir nämlich unseren HotSpot! Zusammen mit Finnland-Experten wollen wir ab 13 Uhr auf dem Hot Spot Scientific & Professional Information (Halle 4.2, N95) einen genaueren Blick auf das finnische Bibliothekswesen, seine Möglichkeiten und Unterschiede zu Deutschland werfen.
Danach wird kräftig gefeiert. Wir würden uns freuen, wenn Ihr ab 17:00 Uhr mit uns gemeinsam auf unserer Standparty auf das Messejahr 2014 anstoßt!
Damit der Überblick nicht verloren geht und trotzdem noch genug Zeit für eure letzten Häkchen habt, kommt jetzt hier kurz, kompakt und schmerzlos das diesjährige LIS-Corner-Programm auf einen Blick (zum merken, rot im Kalender anstreichen, immer wieder nachschlagen, im Terminkalender eintragen, auf die „To-Do“-Liste schreiben und am wichtigsten: NICHT VERGESSEN! ;-)).

Mi., 08.10.2014: Informationen über den MaLIS-Studiengang an der FH Köln, ganztägig

Do., 09.10.2014: Informationen über den MaLIS-Studiengang an der FH Köln, ganztägig

Buchvorstellung von Frau Prof. Andrea Nikolaizig „Zeitreisen in die bibliothekarische Zukunft: 1914 – 2014 – 2114“ von 14:30 – 16:00 Uhr

Fr., 10.10.2014: HotSpot zum finnischen Bibliothekswesen von 13:00 – 14:00 Uhr
Umtrunk und Standparty ab 17:00 Uhr

Wir zählen die letzten Stunden und freuen uns auf eine tolle Buchmess

FaMI – und dann? Perspektiven nach der Ausbildung

Podiumsdiskussion der LIS-Corner auf der Frankfurter Buchmesse 2013

von Maximilian Lowisch und Franziska Weber

”Es geht um Ihre Zukunft!”[i] heißt es 2009 zum zehnjährigen Bestehen des Ausbildungsberufs. Ermunternd oder warnend – der Ausruf von Zick lässt sich mannigfaltig deuten und beides kann bei Betrachtung der Literatur zum FaMI als durchaus begründet gelten, denn was Bibliotheken bzw. deren Träger unter ”[…] Personal, das den gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen an Mobilität und Lernfähigkeit entspricht”[ii] verstehen, kann sich sehr unterschiedlich bei Bezahlung und Tätigkeitsspektrum niederschlagen. Von der ”Thekenkraft” bis zum ”Bibliotheksmanager”[iii] sind der Tätigkeitsbeschreibung (fast) keine Grenzen gesetzt. Dass entweder die Bezahlung nicht mit der Tätigkeitsbeschreibung oder die Tätigkeitsbeschreibung nicht mit dem Ausbildungsprofil übereinstimmt, ist nach knapp 15 Jahren FaMI im Bibliothekswesen nicht einmal mehr ein offenes Geheimnis. Für die FaMIs, die sich bei der Berufswahl nicht abschrecken ließen und nun erst Zicks Ausruf lesen, kann es nur darum gehen, sich dazu ermuntern zu lassen, aus dem gewohnten FaMI-Tätigkeits- und Entgeltspektrum auszubrechen und den Aufstieg zu versuchen.

Alljährlich nimmt die LIS-Corner ein Thema aus dem Bereich der bibliothekarischen Ausbildung auf, um es im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Experten[iv], Studierenden und dem Publikum zu diskutieren. In diesem Jahr sollte im Mittelpunkt des Interesses stehen, welche Möglichkeiten FaMIs nach ihrer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung nutzen können, um sich weiterzuqualifizieren und damit ihr Aufgabenspektrum und/oder ihre Einkommensmöglichkeiten zu erweitern. Nicht nur, weil der Messestand der FaMIs der Frankfurter Stauffenbergschule jedes Jahr direkt neben der LIS-Corner-Fläche positioniert ist, lag es nahe, diese Diskussion in Kooperation mit den Auszubildenden zusammen zu gestalten.

Im Gespräch mit Karin Holste-Flinspach (Lehrerin an der Stauffenbergschule, Frankfurt am Main), Petra Schneider (FaMI und Absvolventin des Hessischen Fachwirtlehrgangs, UB Frankfurt am Main), Prof. Tom Becker (FH Köln) und Christoph Schwarz (Bibliotheksasisstent, Diplom-Bibliothekar sowie MA in Bibliotheks- und Informationswissenschaft, UB Gießen) gingen Naomi Reitelshöfer (Stauffenbergschule, Frankfurt am Main) und Maximilian Lowisch (FH Köln) den unterschiedlichen Fragen, die sich FaMIs nach der Ausbildung stellen, auf den Grund.

Zunächst beschäftigte die Diskutanten die Frage, warum das Angebot eines Fachwirtlehrgangs notwendig wurde, obwohl Studienmöglichkeiten im Bereich der Bibliotheks- und Informationswissenschaft bereits existierten. Holste-Flinspach verdeutlichte daraufhin, dass der Lehrgang durchaus notwendig sei, um jedem, unabhängig von seinem Schulabschluss, eine Weiterbildungsmöglichkeit anbieten zu können.

Schneider bestätigte die Aussage und fügte hinzu, dass der Fachwirt ideal für FaMIs sei und sich Lehrgang und Beruf auf diesem Weg perfekt vereinbaren ließen. Eine Zulassung könne grundsätzlich jeder erhalten, der eine Berufserfahrung und eine Ausbildung im Bereich des Bibliothekswesens nachweisen kann. Abhängig von der Abschlussnote, müsse jedoch unter Umständen mit einer Wartezeit gerechnet werden. Die Dauer des Lehrganges beläuft sich auf 2,5 Jahre und der Unterricht findet in der Regel freitags und samstags, angepasst an die Berufstätigkeit der Lehrgangsteilnehmer, statt. Auf die Frage, ob es für den langjährig Berufstätigen nicht ein Erschwernis sei, sich ins schulische Lernen wieder einzufinden, antwortete Schneider, dass es für sie unproblematisch gewesen sei, sich nach ihrer praktischen Tätigkeit wieder ans Lernen zu gewöhnen.

Schwarz konnte sich dieser Aussage anschließen, gelänge die Gewöhnung an das Studium doch relativ schnell. Ihm sei zudem noch Zeit für einen Nebenjob geblieben. Dass die Aussagen der beiden Diskutanten nicht auf jeden zutreffen, darf als verständlich gelten: Individuelle Lebensumstände können Studium bzw. Weiterbildung zu einer möglicherweise unkalkulierbaren Herausforderung machen.

Im Anschluss kam die Frage nach der Zukunft des Fachwirts und dessen Verortung im bibliothekarischen Berufsspektrum auf. Holste-Flinspach betonte deutlich, dass eine Gleichstellung mit den Bachelor-Abschlüssen erreicht werden müsse. Ebenfalls müsse sich die Weiterbildung später finanziell positiv für die Absolventen auswirken. Hier bestünde somit noch Handlungsbedarf. Abschluss und Beförderung müssten keinen Kausalzusammenhang bilden. Dies sei von Arbeitgeber zu Arbeitgeber sehr unterschiedlich.

Ähnlich sieht es auch bei der Unterstützung aus. Hier sprach sich Becker für ein offenes Vorgehen gegenüber den Vorgesetzten aus. Durch Belastungen wie Abschlussarbeiten, Klausurphasen und Hausarbeiten sei manchmal eine Reduzierung der Wochenarbeitsstunden notwendig. Außerdem sei es teilweise erforderlich, die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten. In diesen Fällen sei es unumgänglich den Rückhalt seiner Bibliothek zu haben.

Aber wie sollte man reagieren, wenn keine Hilfe seitens des Arbeitgebers in Aussicht gestellt wird?  Hierzu gab es eine klare Meinung von  Becker: „Arbeitgeber wechseln“, war seine deutliche und knappe Antwort. Natürlich muss dies immer im Einzelfall entschieden werden. Zudem gibt es durchaus gute Argumente, um die Bibliotheksleitung davon zu überzeugen, einem Mitarbeiter die Weiterbildung oder das Studium zu ermöglichen. Beispielsweise seien die verschiedenen Projektarbeiten während Studium und Weiterbildung ein Gewinn für jede Bibliothek, so Becker.

Ein Problem sieht Holste-Flinspach auch in der fehlenden Kenntnis über mögliche Förderungsgelder, die BibliotheksmitarbeiterInnen beantragen können.

Auf die Frage, welcher Weg der bessere sei, riet Becker allen Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste zum Studium, räumte aber gleichzeitig ein, dass es letztendlich eine individuelle Entscheidung sei, die jeder für sich selbst treffen müsse.

Keine zwingende Voraussetzung für ein Studium, ist die (Fach-)Hochschulreife. Einige Hochschulen in Deutschland bieten den entsprechenden Studiengang, ohne Abitur als Zugangsvoraussetzung, an. Allerdings werden in diesen Fällen andere Qualifikationen, wie z.B. eine mehrjährige Berufserfahrung, benötigt.

Dass es FaMIs im Studium leichter hätten, höre man immer wieder, wie von der Moderation eingeworfen wurde. Was sei aber dran an dieser Aussage? Schwarz versicherte, dass fachliche Vorkenntnisse im Studium das Verstehen der einzelnen Module erleichtern würden, was Schneider für die Fachwirtausbildung ebenfalls bestätigt.

Unbestritten sind jedoch der höhere Arbeitsaufwand und die Qualität innerhalb des Studiums, genauso wie die Quantität an gebotenen Wahlmöglichkeiten.

Nach dem Abschluss des Studiums veränderten sich die Tätigkeitsgebiete im Vergleich zu denen des Bibliotheksassistenten erheblich. Schwarz wurden mehr Verantwortungsbereiche und die Personalbetreuung übertragen, was sich bei seiner Eingruppierung bemerkbar machte. Hierfür müssten natürlich entsprechende Stellen vorhanden sein.

Zustimmung zu diesen Aussagen kamen von Holste-Flinspach und Becker. Es sollte ein „Geben und Nehmen“ von beiden Seiten sein. Unter Umständen sei langfristig gesehen jedoch ein Arbeitgeberwechsel notwendig, falls eine bessere Stelle in Aussicht und vor Ort keine Entwicklungsperspektiven gegeben seien.  Eine gewisse Fluktuation sei in Bibliotheken normal und notwendig. Welche Eingruppierung Fachwirte und Master-Absolventen allerdings nach ihrem Abschluss erhalten, ist noch nicht eindeutig geregelt. Diese Einschätzung von Becker, kann Schwarz bestätigen. Auch ihm sind ehemalige Kommilitonen bekannt, die nach ihrem Master-Abschluss noch immer auf eine Höhergruppierung warten. Becker sieht hier zwei Problematiken: Einerseits stellt es viele Bibliotheken vor Herausforderungen, Mitarbeitern, die nach ihrem Abschluss in der Heimatbibliothek verbleiben wollen, kurz- und mittelfristig eine entsprechend bewertete Stelle anzubieten, andererseits kann auch der Wechsel in eine andere Bibliothek mit entsprechender Stelle zunächst eher von Nachteil sind, fällt der Arbeitnehmer doch möglicherweise in eine niedrigere Stufe zurück, was bei langjähriger Betriebszugehörigkeit zur alten Arbeitsstelle zu Einbußen führen kann.

Abschließend stellte sich den Moderatoren noch die Frage, ob eine Konkurrenz zwischen Bachelor-Absolventen und Fachwirten entstehen könne. Da es bisher jedoch nur wenige Fachwirtabsolventen gibt, sehen Holste-Flinspach und Becker diesbezüglich keine Gefahr. Zudem sei eine gewisse Konkurrenz vollkommen normal und auch notwendig.

Ein weiterer positiver Effekt, den Becker nennt, ist die Tatsache, dass das Feld der BibliothekarInnen immer bunter werde. Kreuzqualifikationen seien vor allem in diesem Berufsfeld wichtig und umso erfreulicher findet er, dass seine Studierenden unterschiedliche Erfahrungen, von der Informatik über die Pädagogik bis hin zu medizinischen Berufen mitbringen würden. Eine Bibliothek brauche kein „1D-Personal“, sondern ein Team das unterschiedliche Stärken mitbringt und sich so optimal ergänzen kann.

Gegen Ende formulierte er an die Zuhörer eine persönliche Bitte: Für die Auswahl eines Master-Studiengangs sollten auch bibliotheksfremde Studiengänge in Betracht gezogen werden, um Zusatz- und Kreuzqualifikationen zu erwerben. Das frühzeitige Sammeln von Praxiserfahrungen sei eine herausragende Qualifikation bei der Stellensuche.


[i] Zick, Waltraut: Es geht um Ihre Zukunft! Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für FaMIs. In: 10 Jahre FaMI – Ein Beruf emanzipiert sich!? Eine Festschrift. Bad Honnef : Bock + Herchen, 2009, S. 128

[ii] Erläuterungen zur Verordnung über die Berufsausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste/ zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. 2., erweiterte Auflage. – Nürnberg : BW, Bildung-und-Wissen-Verlag, 2001, S. 10

[iii] Schröder, Alexander; Pfob, Sandra; Johannsmeyer, Betty: Mit RAK auf verlorenem Posten…!? Vom FAMI [sic], der auszog, das Erlernte anzuwenden. Ein Erfahrungsbericht. In: GMS Medizin, Bibliothek, Information 7(2007),1, S. 3f

[iv] Aus Gründen der Lesbarkeit wird in diesem Text das generische Maskulinum verwendet.

Zuerst erschienen in: BuB 66(2014),2, S. 93 – 95 Weiterlesen „FaMI – und dann? Perspektiven nach der Ausbildung“

Turbostudenten

von Maximilian Lowisch

Grünwald, Robert ; Kopper, Marcel ; Pohl, Marcel: Die Turbo-Studenten. Die Erfolgsstory: Bachelor plus Master in vier statt elf Semestern. Offenbach : Gabal, 2013

Ich erinnere mich noch gut an eine Diskussion, die wir letztes Jahr führten, als es darum ging, passende Texte für unsere Informationsmaterialien zu finden. Es stand ein Vorschlag im Raum, den wir hinterher größtenteils umsetzten, bei dem es allerdings einen Teil gab, der bei manchem Teilnehmer zu Unbehagen führte. Konkret war es so, dass wir aus LIS von LIS-Corner eine Studentin mit dem Namen Lis machen wollten, anhand derer wir erklären würden, worum es sich bei der LIS-Corner handelt. Eine Aussage sollte unter anderem lauten, dass Lis eine unverbesserliche Langzeitstudentin und an unterschiedlichen Hochschulen gleichzeitig eingeschrieben sei. Eigentlich sollte dies eine Anspielung auf die unterschiedlichen Hochschulen an unserem Messestand sowie die Kontinuität der Teilnahme der LIS-Corner an der Frankfurter Buchmesse sein. Diesen Teil strichen wir schließlich, weil sich so mancher Leser und Besucher, mit vor sich hingammelnden Studierenden vor dem geistigen Auge, abgeschreckt fühlen könnte.

Heute allerdings durfte ich feststellen, dass zumindest ein Teil der Aussage nicht ganz so abwegig ist. Bei der Buchvorstellung des Titels „Die Turbo-Studenten“ von Robert Grünwald, Marcel Kopper und Marcel Pohl präsentierten die drei ihr in ein Buch verpacktes Erfolgsrezept für ein Turbostudium. Turbo als inflationär gebrauchtes Wort lässt einen nur selten aufhorchen, der Titelzusatz, und hier handelt es sich sogar noch um eine Untertreibung, machte dagegen einen fast schon einschüchternden Eindruck: In nur vier statt der vorgesehenen elf Semestern absolvierten die drei ein Bachelor- sowie Masterstudium in Finance und Accounting (Finanzen und Rechnungslegung) an einer privaten Fachhochschule. Müßig zu erwähnen, dass es eigentlich nur zwanzig Monate waren und alle nebenher noch eine Ausbildung machten und abschlossen. Eines ihrer Erfolgsgrezepte, und da komme ich zu Lis zurück, war dabei, unterschiedliche Standorte der Hochschule zu besuchen, um so möglichst viele Veranstaltungen zur gleichen Zeit zu belegen. Alles in allem ist es den Schnell-Studenten wohl nur gelungen, ihr Studium derart abzukürzen, weil sie über ein ausgeklügeltes Projektmanagement und eiserne Disziplin verfügen. Die Botschaft des ganzen Vortrags lautete schließlich auch, dass das Studium als Projekt gesehen werden könne und dementsprechend vorgegangen werden müsse: Planung, Durchführung und Kontrolle. Mit diesen vier Semestern für Bachelor plus Master sind die drei die in Deutschland schnellsten Studenten aller Zeiten. Ihre Botschaft lautet jedoch nicht, dass dies nun ein Erfolg sei, an dem sich andere zu messen haben, sondern dass das Studium in der Hinsicht flexibilisiert werden solle, dass es Studierenden möglich sei, ihr Studientempo selbst zu bestimmen. Wer ein Studentenleben führen möchte, soll das tun.

Abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass zu solch einem Schnellstudium nur ein ausgeklügeltes Projektmanagement und nicht auch überdurchschnittliche Intelligenz gehört (einer der drei verfügt über ein photographisches Gedächtnis), bereitet das Gefühl Unbehagen, dass in Zukunft das Studium derart flexibilisiert werden könnte, wie die drei sich das vorstellen, würde der Konkurrenzkampf an Hochschule und Arbeitsmarkt doch noch größer werden: Sechs statt fünf Semester für einen Bachelor? Das könnte schon als erheblicher Makel aufgefasst werden, wenn Arbeitgeber und Öffentlichkeit davon ausgingen, dass die Studienzeit im reinen Ermessen der Studierenden liegt. Und wie stünde es um die Forschung, wie um das Interesse der Studierenden am eigenen Fach? Hier geben die Wirtschaftsabsolventen zu, dass ihre Art des Studiums schlicht ungeeignet sei, um sich mit Inhalten tiefergehend auseinander zu setzen. Alles in allem bleibt also ein gemischtes Gefühl: Ehrfurcht vor ihren Leistungen und die Frage, was von einer Universität übrig bleibt, deren Studierende, ohne den Blick nach links oder rechts zu wenden, im Schnelldurchlauf Schein nach Schein machen.