Rück- (Aus-) Blick

Von Kira Lemke

Die letzten Vorbereitungen sind getroffen und die Koffer gepackt. Endlich ist wieder soweit und es geht mit wundervollen Menschen verschiedener Hochschulen auf die Frankfurter Buchmesse.

In freudiger Erwartung starte ich auch dieses Jahr wieder auf die Buchmesse in Frankfurt.

Bereits im vergangenen Jahr durfte ich dabei sein und meine Hochschule aus Hamburg mit drei weiteren Studierenden repräsentieren. Es war eine einzigartige Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Als im letzten Jahr noch kurzfristig nach freiwilligen Studierenden für LIS-Corner gesucht wurde, ergriff ich die Chance und meldete mich. Wo auch sonst, wenn nicht auf einer internationalen und traditionsreichen Buchmesse, bekommt ein großer Bücherfan die einmalige Gelegenheit in die aufregende Welt der Lektüre einzutauchen? Und die Welt der Bücher war wirklich faszinierend…

Im Vordergrund stand natürlich die Aufgabe unsere Studiengänge vorzustellen und Interessenten zu informieren. Ich war überrascht von den Menschenmengen und dem regen Interesse, welches uns entgegenkam. Viele junge Leute konnten beraten und aufgeklärt werden. Mit Vorurteilen und Klischees gegenüber Informations- und Bibliothekswissenschaften wurde aufgeräumt.

Ein besonderes Highlight stellte natürlich die Buchmesse an sich dar. Zwischenzeitlich nutzten wir unsere Pausen, um uns selbst einen Überblick über Verlage, Unternehmen, Studiengänge und ähnliches zu verschaffen. Neue Kontakte wurden geknüpft, neue Bücher gelangten in unsere Koffer und auch sonst warteten zahlreiche Eindrücke an jeder Ecke, die man kaum in Worte fassen kann.

Die Zusammenarbeit mit den Studierenden der anderen Hochschulen aus ganz Deutschland klappte wunderbar und wir verbrachten alle eine schöne Zeit zusammen. Es war eine durch und durch positive Erfahrung.

Aus diesem Grund bin ich sehr dankbar auch dieses Jahr wieder mit dabei sein zu können!

Foto: Jacqueline Acquistapace

Ein Semester in Finnland

Während der Buchmesse bekamen wir Besuch von der jungen und engagierten Bibliothekarin Ilka Schiele. Sie verbrachte während ihres Studiums des Bibliotheksmanagements an der HdM Stuttgart ihr Praxissemester in Finnland. Wir wollten es genauer wissen und mehr zu ihrer Zeit in Finnland erfahren. Für das nun folgende Interview danken wir ihr sehr und wünschen viel Spaß beim Lesen. Das Interview führte Franziska Weber, Fachhochschule Köln.

Erzähl uns bitte kurz was zu deiner Person. Was waren bisher deine beruflichen Stationen, wo hast du studiert, in welcher Bibliothek in Finnland hast du dein Praktikum absolviert?
2008 hab ich meine Ausbildung zur FaMI in der Unibibliothek Hohenheim angefangen. Da die Bibliothek mich leider nicht übernehmen konnte, hab ich nach dem erfolgreichem Abschluss im Sommer 2010 mein Studium des Bibliotheks- und Informationsmanagements an der Hochschule der Medien in Stuttgart begonnen. Teil des Studiums war ein Praxissemester, das ich in der Unibibliothek Jyväskylä (Jyväskylän Yliopiston Kirjasto) absolviert habe. Letzten Sommer habe ich mein Bachelor-Studium abgeschlossen (meine BA hatte übrigens den Titel „Libraries in Finland“) und seit Februar dieses Jahres arbeite ich in der Bibliothek des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe.

Was reizte dich an Finnland oder war dein Praktikum dort eher Zufall? Und wie kam der Kontakt zu deiner Gast-Bibliothek zustande?
Ich bin schon lange Finnland-Fan und verbringe seit 2008 jedes Jahr meinen Sommer-Urlaub dort. Für mich ging ein großer Wunsch in Erfüllung, als ich dann tatsächlich mal länger als nur ein paar Wochen dort leben durfte. Die finnischen Bibliotheken genießen ja auch einen ausgezeichneten Ruf, deshalb war ich mir sicher, während eines Praktikums dort viel lernen zu können. Der Kontakt entstand durch eine E-Mail, die ich dem Direktor der Bibliothek geschickt habe. Darin habe ich mich kurz vorgestellt und erklärt, was meine Gründe für ein Praktikum in Finnland/Jyväskylä sind.

Ein Auslandsaufenthalt, egal ob in Europa oder außerhalb der EU, erfordert jede Menge Vorbereitungen, Organisation und Planung. Was gibt es für einen Aufenthalt in Finnland alles zu beachten und wie hast du dich vorbereitet?
Für einen Aufenthalt in Finnland ist auf jeden Fall zu beachten, dass die Lebenshaltungskosten dort sehr viel höher sind als in Deutschland. Selbst mit Unterstützung durch Erasmus kann es knapp werden, wenn man von der Praktikumsstelle kein Gehalt bekommen sollte. In diesem Punkt habe ich aber Glück gehabt. Außerdem kommt vielleicht nicht jeder mit der ewigen Dunkelheit und Kälte im Winter bzw. der nie untergehenden Sonne im Sommer zurecht (zumal finnische Wohnungen selten Rollläden besitzen). Von all dem abgesehen lebt es sich in Finnland aber richtig gut.
Nach der Zusage durch die Bibliothek bestand meine Vorbereitung darin, eine Wohnung zu suchen (Online-Portale der Studentenwerke sind da eine großartige Hilfe), Erasmus-Anträge auszufüllen, ein bisschen Geld für Ausflüge anzusparen und meine Katze reisefertig zu machen. Die durfte nämlich mit. Und selbst das war eigentlich überhaupt kein Problem. In Finnland angekommen musste dann natürlich auch noch ein bisschen Bürokratie bewältigt werden, wie zum Beispiel die Anmeldung beim Maistraatti (ähnlich dem Bürgerbüro) und der Polizei (Pflicht bei Aufenthalt über 3 Monate), das Eröffnen eines finnischen Kontos (geht in vielen Banken nur mit Reisepass, Personalausweis reicht nicht) und das Besorgen einer finnischen SIM-Karte für mein Handy.

Beschreibe uns doch bitte kurz deine Gastbibliothek und den Ort, in dem du warst.
Meine Gastbibliothek, die Unibibliothek Jyväskylä, ist eine der größten und wichtigsten wissenschaftlichen Bibliotheken in Finnland. Sie ist eine der Pflichtexemplarbibliotheken und hat deshalb ein großes Magazin voller finnischer Veröffentlichungen (Fennica). Außerdem kümmert sie sich in besonderem Maße um Literatur zu ded Themen Sportwissenschaften, Erziehungswissenschaften und Psychologie. Das ist ähnlich wie hier in Deutschland die Sondersammelgebiete.
Jyväskylä ist die siebtgrößte Stadt Finnlands und hat etwa 133.000 Einwohner. Da sich diese aber auch auf die umliegenden, eingemeindeten Ortschaften verteilen, kommt einem die Stadt viel kleiner vor. Trotzdem findet man eigentlich alles, was man so zum Leben braucht: Kinos, Bars, Restaurants, Shopping-Möglichkeiten, Museen, alles ist da. Außerdem liegt Jyväskylä zwischen zwei Seen und, wie das in Finnland so üblich ist, recht nahe an der Natur. Wenn man also mal seine Ruhe haben möchte, ist das gar kein Problem. Jyväskylä ist außerdem voller Studenten, man findet also auch als Praktikant schnell Anschluss.

Das finnische Bibliothekswesen ist in Deutschland sehr angesehen, gilt als innovativ und modern. Das Bibliotheksgesetz dort ist seit Jahren selbstverständlich und wird ständig erneuert. Um es mit den Worten der Frankfurter Buchmesse zu sagen: „Finnland.Cool“. Kannst du diesen Eindruck bestätigen? Sind die Bibliotheken dort moderner?
Finnland IST ziemlich cool und die Bibliotheken sind nicht nur hier in Deutschland, sondern auch in Finnland sehr angesehen. Sie bemühen sich, mit der Zeit zu gehen und scheuen sich nicht, auch mal Neues auszuprobieren. In Deutschland dauert das oft länger. Was das finnische Bibliothekswesen aber meiner Meinung nach viel mehr ausmacht, ist, dass die Bibliotheken zentrale Treffpunkte sind. Die Bibliotheken sind den Finnen wichtig, sie gehen gerne dorthin. Kinder werden schon von klein auf von ihren Eltern mitgenommen, gehen mit der Schulklasse in die Stadtbücherei, etc. Es gibt bequeme Sitzmöglichkeiten, die zum Verweilen einladen. So werden Bibliotheken zu einem festen Bestandteil des Alltags. In meiner Praktikumsbibliothek gab es zum Beispiel kaum Grundschulungen, da der Umgang mit OPACS und die sonstige Nutzung der Bibliotheksdienste schon fast selbstverständlich ist.
Außerdem bieten viele Bibliotheken besondere Dienste an. Neben verschiedenen Veranstaltungen (Konzerte, Lesungen, Ausstellungen,…) gibt es zum Beispiel auch oft Räume, in denen man Musik machen oder sogar gleich aufnehmen und abmischen kann. Die benötigten Instrumente kann man sich ausleihen. Es gibt Geräte, mit denen man Musikkassetten digitalisieren oder VHS auf DVD überspielen kann. Manche Bibliotheken bieten ihren Benutzern sogar die Ausleihe von Sport- oder Gartengeräten an.
In einem dünn besiedelten Land wie Finnland sind außerdem die mobilen Bibliotheksdienste ganz wichtig. Dazu gibt es nicht nur eine große Anzahl von Bücherbussen, sondern sogar ein Bibliotheksboot, das im Sommer die Schären vor Turku versorgt.

Neben vielen positiven Eindrücken, gab es auch irgendwas etwas das dir gar nicht gefallen hat?
Ganz ehrlich? Nein ☺

In deutschen Bibliotheken beginnt der Arbeitstag meist mit dem einstellen von Medien, dann folgt der Dienst an der Ausleihtheke oder es wird im Büro eifrig bestellt und katalogisiert. Wie sah dein Praktikumsalltag aus? Gab es Unterschiede zu der Arbeit in einer deutschen Bibliothek und welche Aufgaben durftest du wahrnehmen?
Der Arbeitsalltag in einer finnischen Bibliothek sieht eigentlich ganz ähnlich aus wie der in Deutschland. Ich hatte nur das Gefühl, dass manche Dinge weniger verkompliziert werden als hier. Aber vielleicht hängt das einfach von der jeweiligen Bibliothek ab. Ich hatte meinen eigenen Schreibtisch in einem Büro mit drei Kolleginnen in der Erwerbungsabteilung. Dort habe ich auch hauptsächlich mitgearbeitet. Außerdem habe ich dabei geholfen, Bücher einzustellen. Vor allem in der Lehrbuchsammlung gab es da immer etwas zu tun. Außerdem habe ich, wie das als Praktikant eben so ist, unliebsame Aufgaben von meinen Kollegen bekommen. 😉 Am Anfang habe ich mich so zum Beispiel um die Sammlung deutschsprachiger Literatur gekümmert. Ich durfte viel aussondern und dann auch Vorschläge machen, was neu angeschafft werden soll. Eine andere Aufgabe war das Aussondern von alten estnischen und ungarischen Zeitschriften. Also alles Dinge, die gemacht werden müssen, die für die Kollegen aber wahrscheinlich Überstunden bedeutet hätten.

Bei vielen Praxisphasen müssen die Studentinnen und Studenten auch ein Projekt während der Zeit ihres Praktikums durchführen. War das bei dir auch der Fall und magst du uns was darüber erzählen?
Mein Projekt während der sechs Monate war eine Studie zur Usability der E-Book-Portale, die meine Gastbibliothek benutzt. Wir haben zehn Studenten der Uni eingeladen und ihnen einige Fragen oder Aufgaben vorgelegt, die sie mit Hilfe der Portale beantworten sollten. Diese Recherchen haben wir gefilmt, die Studenten sollten kommentieren. Am Ende konnten sie außerdem aus einer Vorauswahl an Wörtern diejenigen aussuchen, die die jeweiligen Portale am besten beschreiben. So hatte ich ein richtig interessantes Projekt und meine Gastbibliothek hat Einblicke erhalten, was sie am E-Book-Angebot noch verbessern kann.

Neben deiner Arbeit blieb dir hoffentlich auch noch Zeit dir dein Gastland genauer anzuschauen. Wie hat es dir privat in Finnland gefallen und was muss man unbedingt gesehen, erlebt haben?
Zeit war zum Glück ausreichend vorhanden. Meine Kolleginnen haben mich auch sehr darin unterstützt, viele verschiedene Dinge zu unternehmen. Ich wurde zum Konzert der Tochter oder zur Tanzvorführung des Sohnes eingeladen. Und es hagelte Tipps, was ich denn am Wochenende tun könnte. Das war richtig toll.
Meine Liste von Orten, die man unbedingt gesehen haben muss, ist leider viel zu lang. Natürlich gehört Helsinki dazu, mit dem weißen Dom, den schönen Jugendstilgebäuden und der Festungsinsel Suomenlinna. Meine Lieblingsstadt ist Tampere, dort empfehle ich vor allem das Mumin-Museum und den Aussichtsturm in Pyynikki, in dessen Café man unbedingt einen Munkki (eine Art Donut) essen muss. Rovaniemi am Polarkreis und das nahegelegene Weihnachtsmanndorf sind immer eine Reise wert. Und im Sommer empfehle ich auf jeden Fall den Besuch eines finnischen Musikfestivals.

Andere Länder – andere Sitten. Gibt es Gepflogenheiten die man im „hohen Norden“ unbedingt vermeiden sollte? Sowohl beruflich als auch privat?
Beruflich ist dort vieles lockerer. Die Finnen sprechen sich fast immer mit Vornamen an, was die Arbeitsatmosphäre meiner Meinung nach sehr viel angenehmer macht. Andererseits sind die Finnen aber auch sehr still und zurückhaltend. Es gilt zum Beispiel als unhöflich, sich im Bus neben eine fremde Person zu setzen. Smalltalk passiert in Finnland auch eher selten. Das heißt aber nicht, dass die Finnen unfreundlich sind, im Gegenteil. Im Allgemeinen sind sie sehr hilfsbereit und, wenn man sich erstmal besser kennen gelernt hat, sehr gute Freunde.

Du darfst nun fünf Schlagworte für deine Zeit in Finnland vergeben, welche wählst du?
Sommer, Musik, Lernen, Freundschaften, Mitternachtssonne
Zu guter Letzt, was gibst du unseren Leserinnen und Lesern mit auf den Weg?
Traut euch und macht ein Praktikum im Ausland! Es ist ganz egal, in welches Land ihr letztendlich geht (wobei ich Finnland natürlich wärmstens empfehlen kann), aber ich kann euch versprechen, dass ihr viel dazulernen werdet. Nicht nur im beruflichen Sinne.

Ilka Schiele Foto: Franziska Weber
Ilka Schiele
Foto: Frederike Harder, HTWK Leipzig

 

„Der Akademisierungswahn“

von Maximilian Lowisch, HTWK Leipzig

Mit seinem nun erschienenen Buch setzt der Münchner Philosoph und ehemalige SPD-Kulturstaatssekretär Julian Nida-Rümelin während der Regierung Schröder ein Zeichen gegen die allenthalben zu vernehmenden Rufe nach mehr Akademikern. Die leider viel zu kurze Diskussion nutze Nida-Rümelin dazu, darauf aufmerksam zu machen, dass die Arbeitslosigkeit in den drei Ländern mit einem dualen Ausbildungssystem in Europa – Deutschland, Österreich und die Schweiz – ausgesprochen gering sei im Vergleich zu den Ländern ohne ein solches System. Es müsse die Frage gestellt werden, warum dies so sei. Landauf, landab hieße es, dass eine möglichst hohe Bildung ein einträgliches oder gar höheres Einkommen sichere. Die Arbeitslosigkeit in Ländern wie Großbritannien, die eine besonders hohe Akademikerquote haben, sei jedoch wesentlich höher als in Deutschland. Für Deutschland sagten die Statistiken gar, dass gut ausgebildete Handwerker und Techniker ein rund 200 Euro höheres Einkommen hätten als Geisteswissenschaftler. Die einfache Gleichung „hohe Bildung = hohes Einkommen“ gehe so also nicht auf. Eine Verschwendung von Talenten sei es darüber hinaus, wenn Menschen, deren Begabungen viel praktischer lägen, zu einem Hochschulstudium gedrängt würden und es hinterher abbrechen müssten. Genauso verwehrte er sich des Arguments, er argumentiere aus einer „bildungsbürgerlichen Sicht“ stamme er doch selbst aus einer Handwerkerfamilie, was er sehr gelungen veranschaulichte. So habe in der Welt seines Vater einer, der kein Regal bauen könne – und dabei ist kein Bausatz gemeint – als nicht gebildet gegolten. Das ab und an auftauchende Unwohlsein über das Dasein als Schreibtischhengst, der im Ernstfall nicht wüsste, wie er den Strom wieder anbekommt, wurde durch diese Aussage natürlich geradezu katapultiert.

Als Bibliothekar, dessen Beruf seit etwas hundert Jahren der Akademisierung unterliegt, sprich von der Schule zur Fachschule zur Hochschule, und in dessen Disziplin sogar promoviert werden kann, muss die hier besprochene Veranstaltung mit einem besonderen Interesse betrachtet werden. Ein Beruf institutionalisiert sich vor allem durch entsprechende Ausbildungsgänge und je höher diese angesiedelt sind, desto höher, so könnte erwartet werden, ist deren Ansehen und Bezahlung. Tendenzen zur Akademisierung von Berufen beschrieb auch Nida-Rümelin und stellte die ketzerische Frage, warum Erzieherinnen und Erzieher in Krippen ein Hochschulstudium brauchten. Viel wichtiger sei hier die soziale Kompetenz. Bei den Bibliothekaren ist das subjektive Gefühl ein ganz anderes: Trotz Hochschulstudium, Bachelor, Master, ja sogar der Möglichkeit zu promovieren verursacht es immer noch Verwunderung bei vielen Menschen, wenn sie erfahren, dass Bibliothekare ein Studium zu bestreiten haben. Diese gefühlte Nicht-Aufwertung des Berufs durch seine Akademisierung wird von einer Bezahlung am unterst möglichen Rand für Hochschulabsolventen im öffentlichen Dienst flankiert. Da ist auch die Debatte rund um den Fachwirt für Informationsdienste, der den FaMI auf das Qualifikations- oder zumindest Gehaltsniveau des Bibliothekars heben soll. Und hier setzt wieder Nida-Rümelin an, indem er bemängelt, dass Ausbildungsberufe zu wenig geschätzt werden und deshalb immer mehr Menschen studieren bzw. nach der Ausbildung ein Studium aufnehmen. Müssten also nicht vielmehr Gehalt und Ansehen der FaMIs aus ihrem teilweise desolaten Tief sowie deren Aufgaben in manchen Bibliotheken als reine „Foliier- und Einstellsklaven“ auf ein annehmbares Niveau gehoben werden, anstatt auch im Bibliothekswesen einen Run um die höchsten Abschlüsse zu fördern, bei dem zum Schluss Masterabsolvent werden muss, wer noch eine E9-Stelle erhalten will, weil für diese Abschlüsse sonst keine adäquaten Stellen zur Verfügung stehen und MAs den bibliothekarischen Stellenmarkt auf der Ebene des gehobenen Dienstes besetzen? Die Podiumsdiskussion und Nida-Rümelins Buch haben diese Fragen wieder einmal drängend ins Gedächtnis gebracht und Denkanstöße geliefert.

It’s the final Countdown

von Franziska Weber, FH Köln

Endlich können wir aufhören, die Tage bis zur Buchmesse zu zählen! Es sind nämlich nur noch wenige Stunden (ca. 50 Std.), bis es endlich wieder los geht.

Das Reisefieber macht sich bemerkbar und während hier und da schon gepackt wird, die ein oder andere Kleinigkeit noch besorgt werden muss oder unsere „To-Do“-Listen irgendwie trotzdem gefühlt immer länger werden, versuchen wir natürlich den Überblick zu bewahren und an alles zu denken. Vor allem aber wächst die Vorfreude.
Zum Beispiel auf die Highlights, die Euch die LIS-Corner dieses Jahr bietet!

Wir starten am Mittwoch mit Informationen zum weiterbildenden MaLIS-Studiengang an der FH Köln. Hier könnt ihr euch den ganzen Tag aus erster Hand nicht nur über die verschiedenen Bachelor- und Masterstudiengänge informieren, sondern euch auch Informationen über den weiterbildenden Studiengang bzw. die Weiterbildung holen.

Auch am zweiten Messetag habt ihr wieder die Möglichkeit, euch über den MaLIS-Studiengang in Köln zu informieren.
Außerdem wartet von 14:30 – 16:00 Uhr eine Zeitreise auf Euch. Frau Prof. Andrea Nikolaizig von der HTWK Leipzig stellt ihr Buch „Zeitreisen in die bibliothekarische Zukunft: 1914 – 2014 – 2114“ bei uns am Stand vor. Wir freuen aus auf viele Besucherinnen und Besucher und gute Stimmung bei einem kleinen Umtrunk.
Nachdem wir am Donnerstag mit Euch von der Vergangenheit in die Gegenwart und sogar bis in die Zukunft gereist sind, geht es Freitag weiter nach Finnland. Dem diesjährigen Gastland widmen wir nämlich unseren HotSpot! Zusammen mit Finnland-Experten wollen wir ab 13 Uhr auf dem Hot Spot Scientific & Professional Information (Halle 4.2, N95) einen genaueren Blick auf das finnische Bibliothekswesen, seine Möglichkeiten und Unterschiede zu Deutschland werfen.
Danach wird kräftig gefeiert. Wir würden uns freuen, wenn Ihr ab 17:00 Uhr mit uns gemeinsam auf unserer Standparty auf das Messejahr 2014 anstoßt!
Damit der Überblick nicht verloren geht und trotzdem noch genug Zeit für eure letzten Häkchen habt, kommt jetzt hier kurz, kompakt und schmerzlos das diesjährige LIS-Corner-Programm auf einen Blick (zum merken, rot im Kalender anstreichen, immer wieder nachschlagen, im Terminkalender eintragen, auf die „To-Do“-Liste schreiben und am wichtigsten: NICHT VERGESSEN! ;-)).

Mi., 08.10.2014: Informationen über den MaLIS-Studiengang an der FH Köln, ganztägig

Do., 09.10.2014: Informationen über den MaLIS-Studiengang an der FH Köln, ganztägig

Buchvorstellung von Frau Prof. Andrea Nikolaizig „Zeitreisen in die bibliothekarische Zukunft: 1914 – 2014 – 2114“ von 14:30 – 16:00 Uhr

Fr., 10.10.2014: HotSpot zum finnischen Bibliothekswesen von 13:00 – 14:00 Uhr
Umtrunk und Standparty ab 17:00 Uhr

Wir zählen die letzten Stunden und freuen uns auf eine tolle Buchmess

FaMI – und dann? Perspektiven nach der Ausbildung

Podiumsdiskussion der LIS-Corner auf der Frankfurter Buchmesse 2013

von Maximilian Lowisch und Franziska Weber

”Es geht um Ihre Zukunft!”[i] heißt es 2009 zum zehnjährigen Bestehen des Ausbildungsberufs. Ermunternd oder warnend – der Ausruf von Zick lässt sich mannigfaltig deuten und beides kann bei Betrachtung der Literatur zum FaMI als durchaus begründet gelten, denn was Bibliotheken bzw. deren Träger unter ”[…] Personal, das den gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen an Mobilität und Lernfähigkeit entspricht”[ii] verstehen, kann sich sehr unterschiedlich bei Bezahlung und Tätigkeitsspektrum niederschlagen. Von der ”Thekenkraft” bis zum ”Bibliotheksmanager”[iii] sind der Tätigkeitsbeschreibung (fast) keine Grenzen gesetzt. Dass entweder die Bezahlung nicht mit der Tätigkeitsbeschreibung oder die Tätigkeitsbeschreibung nicht mit dem Ausbildungsprofil übereinstimmt, ist nach knapp 15 Jahren FaMI im Bibliothekswesen nicht einmal mehr ein offenes Geheimnis. Für die FaMIs, die sich bei der Berufswahl nicht abschrecken ließen und nun erst Zicks Ausruf lesen, kann es nur darum gehen, sich dazu ermuntern zu lassen, aus dem gewohnten FaMI-Tätigkeits- und Entgeltspektrum auszubrechen und den Aufstieg zu versuchen.

Alljährlich nimmt die LIS-Corner ein Thema aus dem Bereich der bibliothekarischen Ausbildung auf, um es im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Experten[iv], Studierenden und dem Publikum zu diskutieren. In diesem Jahr sollte im Mittelpunkt des Interesses stehen, welche Möglichkeiten FaMIs nach ihrer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung nutzen können, um sich weiterzuqualifizieren und damit ihr Aufgabenspektrum und/oder ihre Einkommensmöglichkeiten zu erweitern. Nicht nur, weil der Messestand der FaMIs der Frankfurter Stauffenbergschule jedes Jahr direkt neben der LIS-Corner-Fläche positioniert ist, lag es nahe, diese Diskussion in Kooperation mit den Auszubildenden zusammen zu gestalten.

Im Gespräch mit Karin Holste-Flinspach (Lehrerin an der Stauffenbergschule, Frankfurt am Main), Petra Schneider (FaMI und Absvolventin des Hessischen Fachwirtlehrgangs, UB Frankfurt am Main), Prof. Tom Becker (FH Köln) und Christoph Schwarz (Bibliotheksasisstent, Diplom-Bibliothekar sowie MA in Bibliotheks- und Informationswissenschaft, UB Gießen) gingen Naomi Reitelshöfer (Stauffenbergschule, Frankfurt am Main) und Maximilian Lowisch (FH Köln) den unterschiedlichen Fragen, die sich FaMIs nach der Ausbildung stellen, auf den Grund.

Zunächst beschäftigte die Diskutanten die Frage, warum das Angebot eines Fachwirtlehrgangs notwendig wurde, obwohl Studienmöglichkeiten im Bereich der Bibliotheks- und Informationswissenschaft bereits existierten. Holste-Flinspach verdeutlichte daraufhin, dass der Lehrgang durchaus notwendig sei, um jedem, unabhängig von seinem Schulabschluss, eine Weiterbildungsmöglichkeit anbieten zu können.

Schneider bestätigte die Aussage und fügte hinzu, dass der Fachwirt ideal für FaMIs sei und sich Lehrgang und Beruf auf diesem Weg perfekt vereinbaren ließen. Eine Zulassung könne grundsätzlich jeder erhalten, der eine Berufserfahrung und eine Ausbildung im Bereich des Bibliothekswesens nachweisen kann. Abhängig von der Abschlussnote, müsse jedoch unter Umständen mit einer Wartezeit gerechnet werden. Die Dauer des Lehrganges beläuft sich auf 2,5 Jahre und der Unterricht findet in der Regel freitags und samstags, angepasst an die Berufstätigkeit der Lehrgangsteilnehmer, statt. Auf die Frage, ob es für den langjährig Berufstätigen nicht ein Erschwernis sei, sich ins schulische Lernen wieder einzufinden, antwortete Schneider, dass es für sie unproblematisch gewesen sei, sich nach ihrer praktischen Tätigkeit wieder ans Lernen zu gewöhnen.

Schwarz konnte sich dieser Aussage anschließen, gelänge die Gewöhnung an das Studium doch relativ schnell. Ihm sei zudem noch Zeit für einen Nebenjob geblieben. Dass die Aussagen der beiden Diskutanten nicht auf jeden zutreffen, darf als verständlich gelten: Individuelle Lebensumstände können Studium bzw. Weiterbildung zu einer möglicherweise unkalkulierbaren Herausforderung machen.

Im Anschluss kam die Frage nach der Zukunft des Fachwirts und dessen Verortung im bibliothekarischen Berufsspektrum auf. Holste-Flinspach betonte deutlich, dass eine Gleichstellung mit den Bachelor-Abschlüssen erreicht werden müsse. Ebenfalls müsse sich die Weiterbildung später finanziell positiv für die Absolventen auswirken. Hier bestünde somit noch Handlungsbedarf. Abschluss und Beförderung müssten keinen Kausalzusammenhang bilden. Dies sei von Arbeitgeber zu Arbeitgeber sehr unterschiedlich.

Ähnlich sieht es auch bei der Unterstützung aus. Hier sprach sich Becker für ein offenes Vorgehen gegenüber den Vorgesetzten aus. Durch Belastungen wie Abschlussarbeiten, Klausurphasen und Hausarbeiten sei manchmal eine Reduzierung der Wochenarbeitsstunden notwendig. Außerdem sei es teilweise erforderlich, die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten. In diesen Fällen sei es unumgänglich den Rückhalt seiner Bibliothek zu haben.

Aber wie sollte man reagieren, wenn keine Hilfe seitens des Arbeitgebers in Aussicht gestellt wird?  Hierzu gab es eine klare Meinung von  Becker: „Arbeitgeber wechseln“, war seine deutliche und knappe Antwort. Natürlich muss dies immer im Einzelfall entschieden werden. Zudem gibt es durchaus gute Argumente, um die Bibliotheksleitung davon zu überzeugen, einem Mitarbeiter die Weiterbildung oder das Studium zu ermöglichen. Beispielsweise seien die verschiedenen Projektarbeiten während Studium und Weiterbildung ein Gewinn für jede Bibliothek, so Becker.

Ein Problem sieht Holste-Flinspach auch in der fehlenden Kenntnis über mögliche Förderungsgelder, die BibliotheksmitarbeiterInnen beantragen können.

Auf die Frage, welcher Weg der bessere sei, riet Becker allen Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste zum Studium, räumte aber gleichzeitig ein, dass es letztendlich eine individuelle Entscheidung sei, die jeder für sich selbst treffen müsse.

Keine zwingende Voraussetzung für ein Studium, ist die (Fach-)Hochschulreife. Einige Hochschulen in Deutschland bieten den entsprechenden Studiengang, ohne Abitur als Zugangsvoraussetzung, an. Allerdings werden in diesen Fällen andere Qualifikationen, wie z.B. eine mehrjährige Berufserfahrung, benötigt.

Dass es FaMIs im Studium leichter hätten, höre man immer wieder, wie von der Moderation eingeworfen wurde. Was sei aber dran an dieser Aussage? Schwarz versicherte, dass fachliche Vorkenntnisse im Studium das Verstehen der einzelnen Module erleichtern würden, was Schneider für die Fachwirtausbildung ebenfalls bestätigt.

Unbestritten sind jedoch der höhere Arbeitsaufwand und die Qualität innerhalb des Studiums, genauso wie die Quantität an gebotenen Wahlmöglichkeiten.

Nach dem Abschluss des Studiums veränderten sich die Tätigkeitsgebiete im Vergleich zu denen des Bibliotheksassistenten erheblich. Schwarz wurden mehr Verantwortungsbereiche und die Personalbetreuung übertragen, was sich bei seiner Eingruppierung bemerkbar machte. Hierfür müssten natürlich entsprechende Stellen vorhanden sein.

Zustimmung zu diesen Aussagen kamen von Holste-Flinspach und Becker. Es sollte ein „Geben und Nehmen“ von beiden Seiten sein. Unter Umständen sei langfristig gesehen jedoch ein Arbeitgeberwechsel notwendig, falls eine bessere Stelle in Aussicht und vor Ort keine Entwicklungsperspektiven gegeben seien.  Eine gewisse Fluktuation sei in Bibliotheken normal und notwendig. Welche Eingruppierung Fachwirte und Master-Absolventen allerdings nach ihrem Abschluss erhalten, ist noch nicht eindeutig geregelt. Diese Einschätzung von Becker, kann Schwarz bestätigen. Auch ihm sind ehemalige Kommilitonen bekannt, die nach ihrem Master-Abschluss noch immer auf eine Höhergruppierung warten. Becker sieht hier zwei Problematiken: Einerseits stellt es viele Bibliotheken vor Herausforderungen, Mitarbeitern, die nach ihrem Abschluss in der Heimatbibliothek verbleiben wollen, kurz- und mittelfristig eine entsprechend bewertete Stelle anzubieten, andererseits kann auch der Wechsel in eine andere Bibliothek mit entsprechender Stelle zunächst eher von Nachteil sind, fällt der Arbeitnehmer doch möglicherweise in eine niedrigere Stufe zurück, was bei langjähriger Betriebszugehörigkeit zur alten Arbeitsstelle zu Einbußen führen kann.

Abschließend stellte sich den Moderatoren noch die Frage, ob eine Konkurrenz zwischen Bachelor-Absolventen und Fachwirten entstehen könne. Da es bisher jedoch nur wenige Fachwirtabsolventen gibt, sehen Holste-Flinspach und Becker diesbezüglich keine Gefahr. Zudem sei eine gewisse Konkurrenz vollkommen normal und auch notwendig.

Ein weiterer positiver Effekt, den Becker nennt, ist die Tatsache, dass das Feld der BibliothekarInnen immer bunter werde. Kreuzqualifikationen seien vor allem in diesem Berufsfeld wichtig und umso erfreulicher findet er, dass seine Studierenden unterschiedliche Erfahrungen, von der Informatik über die Pädagogik bis hin zu medizinischen Berufen mitbringen würden. Eine Bibliothek brauche kein „1D-Personal“, sondern ein Team das unterschiedliche Stärken mitbringt und sich so optimal ergänzen kann.

Gegen Ende formulierte er an die Zuhörer eine persönliche Bitte: Für die Auswahl eines Master-Studiengangs sollten auch bibliotheksfremde Studiengänge in Betracht gezogen werden, um Zusatz- und Kreuzqualifikationen zu erwerben. Das frühzeitige Sammeln von Praxiserfahrungen sei eine herausragende Qualifikation bei der Stellensuche.


[i] Zick, Waltraut: Es geht um Ihre Zukunft! Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für FaMIs. In: 10 Jahre FaMI – Ein Beruf emanzipiert sich!? Eine Festschrift. Bad Honnef : Bock + Herchen, 2009, S. 128

[ii] Erläuterungen zur Verordnung über die Berufsausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste/ zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. 2., erweiterte Auflage. – Nürnberg : BW, Bildung-und-Wissen-Verlag, 2001, S. 10

[iii] Schröder, Alexander; Pfob, Sandra; Johannsmeyer, Betty: Mit RAK auf verlorenem Posten…!? Vom FAMI [sic], der auszog, das Erlernte anzuwenden. Ein Erfahrungsbericht. In: GMS Medizin, Bibliothek, Information 7(2007),1, S. 3f

[iv] Aus Gründen der Lesbarkeit wird in diesem Text das generische Maskulinum verwendet.

Zuerst erschienen in: BuB 66(2014),2, S. 93 – 95 Weiterlesen „FaMI – und dann? Perspektiven nach der Ausbildung“