Rück- (Aus-) Blick

Von Kira Lemke

Die letzten Vorbereitungen sind getroffen und die Koffer gepackt. Endlich ist wieder soweit und es geht mit wundervollen Menschen verschiedener Hochschulen auf die Frankfurter Buchmesse.

In freudiger Erwartung starte ich auch dieses Jahr wieder auf die Buchmesse in Frankfurt.

Bereits im vergangenen Jahr durfte ich dabei sein und meine Hochschule aus Hamburg mit drei weiteren Studierenden repräsentieren. Es war eine einzigartige Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Als im letzten Jahr noch kurzfristig nach freiwilligen Studierenden für LIS-Corner gesucht wurde, ergriff ich die Chance und meldete mich. Wo auch sonst, wenn nicht auf einer internationalen und traditionsreichen Buchmesse, bekommt ein großer Bücherfan die einmalige Gelegenheit in die aufregende Welt der Lektüre einzutauchen? Und die Welt der Bücher war wirklich faszinierend…

Im Vordergrund stand natürlich die Aufgabe unsere Studiengänge vorzustellen und Interessenten zu informieren. Ich war überrascht von den Menschenmengen und dem regen Interesse, welches uns entgegenkam. Viele junge Leute konnten beraten und aufgeklärt werden. Mit Vorurteilen und Klischees gegenüber Informations- und Bibliothekswissenschaften wurde aufgeräumt.

Ein besonderes Highlight stellte natürlich die Buchmesse an sich dar. Zwischenzeitlich nutzten wir unsere Pausen, um uns selbst einen Überblick über Verlage, Unternehmen, Studiengänge und ähnliches zu verschaffen. Neue Kontakte wurden geknüpft, neue Bücher gelangten in unsere Koffer und auch sonst warteten zahlreiche Eindrücke an jeder Ecke, die man kaum in Worte fassen kann.

Die Zusammenarbeit mit den Studierenden der anderen Hochschulen aus ganz Deutschland klappte wunderbar und wir verbrachten alle eine schöne Zeit zusammen. Es war eine durch und durch positive Erfahrung.

Aus diesem Grund bin ich sehr dankbar auch dieses Jahr wieder mit dabei sein zu können!

Foto: Jacqueline Acquistapace

Bachelor – quo vadis?

Die LIS-Corner auf der Frankfurter Buchmesse 2012 zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des bibliothekarischen und informationswissenschaftlichen Studiums

von Maximilian Lowisch, Köln, Charlotte von Bausznern, Berlin, und Gisela Zwiener-Busch, Köln

Im Rahmen der LIS-Corner luden studentische Vertreter auf der Frankfurter Buchmesse 2012 zu Gesprächen rund ums Studium am Hot Spot Professional & Scientific Information. Die LIS-Corner ist der Stand bibliotheks- und in- formationswissenschaftlicher Studierender aus dem deutschsprachigen Raum. Es trafen sich über zwanzig Studierende aus Berlin, Hamburg, Potsdam, Stuttgart, Darmstadt und Köln und informierten interessierte Besucher über ihre Studiengänge und laufende Projekte an den Hochschulen. Das dreistündige, mehrteilige Gespräch am Hot Spot Professional & Scientific Information mit vielen verschiedenen Teilnehmern stand unter dem Motto »Gestern, heute, morgen« und drehte sich um Fragen und Antworten rund ums Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaft.

Für einen scharfen, aber auch wehmütigen Blick aufs Gestern trafen sich Maximilian Lowisch (FH Köln, Mode- ration), Diana Marten, M.A. (bibliothek am meer, Bad Zwischenahn), Dipl.-Bibl. Helmut Obst, MA (Bibliothek der Stiftung Pfennigparade, München) und Gisela Zwiener-Busch (FH Köln, Moderation). Marten und Obst plau- derten aus dem ehemaligen Studienalltag zwischen vergangenen Freiheiten eines Magisterstudierenden, dem regen Austausch zwischen internationalen Masterkommilitonen, bürokratischen Hürden und den Möglichkeiten, sein Studium gezielt in eine eigene Richtung mit Verbindung in die Berufspraxis zu lenken. Einig waren sich beide über die enormen Vorteile von Praxis- und Projektzeiten, allerdings auch über Mängel wie den fehlenden Umgang mit Bibliothekssystemen oder die Auseinandersetzung mit der FaMI-Ausbildung. Die Faszination, die zur Auswahl des Studiums führte, zeigte sich in den Zukunftsvisionen: „Definiert man die Bibliothek nicht nur als Raum mit Büchern, sondern als Kommuni- kationsort, muss man keine Angst vor einem Bibliothekssterben haben“, so Marten. Obst stimmte zu, dass die Bi- bliothek als physischer Ort eminent und lebendig genutzt bleibt. Während Marten den digitalen Entwick- lungen durchaus positiv, aber mit Zurückhaltung gegen- über steht, sind sie für Obst Alltag: „Bei Studienbeginn hatten wir gerade so unsere Rechner am langsamen In- ternet. Jetzt gehört die Verwaltung einer Facebook-Seite für meine OPL dazu. Wenn die Bibliothekare diese Dienste nicht beherrschen, wie sollen unsere Kunden dies dann lernen?“ Wehmut kam auf, als das Gespräch auf ihren aktuellen, kurzgetakteten Berufsalltag kam: Letzte- rer biete, so beide, wenig Raum für die persönliche Be- schäftigung mit aktuellen (Forschungs-)Themen. Beide empfahlen, über den Tellerrand zu schauen, sowie Fach- welt und den vernetzten Publikationsmarkt bereits während des Studiums wahrzunehmen.

Zumindest ein Facettensplitter der Gegenwart präsentierte sich in drei Projektvorträgen aus studentischen Rei- hen: Gisela Zwiener-Busch erläuterte die Funktionen und Entwicklung eines Marketingbaukastens für Bibliotheken, der im Laufe des Jahres auch via http://www.bibliotheksportal. de veröffentlicht werden soll. Er wurde in Kooperation mit dem Masterstudiengang der HAW Hamburg und dem Bachelorstudiengang der FH Köln entwickelt und richtet sich an Bibliotheken, die ihr Marketingkonzept erst auf- bauen oder aber ihr bestehendes überprüfen und überarbeiten wollen.

Kerstin Schröder, MA (FH Köln) lieferte eine umfas- sende Darstellung und Begutachtung der Portfolio-Ana- lyse für Dienstleistungen und Bestand. Schröder kam während ihres Projektes zum Schluss, dass die Portfolio-Analyse mit hohem Informationsgehalt, Verständlichkeit und guter Anwendbarkeit deutlich zu empfehlen sei.

Zum Schluss präsentierten Diana Goldschmitt und Maren Falk (beide HdM Stuttgart) die Organisation der BOBCATSSS 2012 in Amsterdam, ein Projekt, das während drei Semestern von zwei verschiedenen Studiengän- gen sowie Studierenden in den Niederlanden durch- geführt wurde.

In der letzten Runde fanden sich Maximilian Lowisch und Prof. Dr. Ute Krauß-Leichert (HAW Hamburg) auf dem Podium wieder: Aus vergangenen Veranstaltungen während der Messe brannten Fragen nach der Zukunft der Bibliotheken und der Bezeichnung »BibliothekarIn- nen« unter den Nägeln. Vorerst ging es während dieses Gesprächs aber um Sinn und Nutzen der verschiedenen bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Ab- schlüsse. Krauß-Leichert empfahl konsekutive Master für eine Vertiefung von Forschung und fachlichen Interessen und betonte die Notwendigkeit eines solchen Abschlus- ses für Führungspositionen. Die teilweise leider überwiegend monetär begründeten Ratschläge, ob ein Master ans Bachelorstudium angeschlossen werden soll, brach sie auf und riet Studierenden, die sich noch nicht „theo- riegesättigt“ fühlten, ausdrücklich zu einem konsekutiven Masterstudium. Aufgrund des aktuellen Studien- angebots ist ein Ortswechsel für den konsekutiven Master für einige Bachelorabsolventen zwangsweise Rea- lität. Ein solcher Wechsel ist, so Krauß-Leichert, sogar für Fachfremde möglich, wobei ausreichend medienwis- senschaftliche, IT- und BWL-Erfahrungen mitgebracht werden müssten. Überzeugen konnte das Projektsemester des HAW-Masterstudienganges, welches als Forschungs- und Entwicklungsprojekt den Transfer zwischen Theorie und Praxis ermöglicht und großen Erfolg genießt.

Die Zukunft für angehende MA-Praktiker konnte Krauß-Leichert leider nicht vorhersagen. Stellenausschrei- bungen und Tarifbestimmungen deuten allerdings auf eine noch zähe und langsame Entwicklung hin. Eine Lanze brach sie für die FaMI, welche angesichts ihrer fundierten Ausbildung zu geringfügige Tätigkeiten ausführen würden. Wo die zukünftige Grenze zwischen Fachreferenten, FaMI und Bachelorabsolventen jenseits von Personal- managementfragen und Problem- oder Aufgabenorientierung liegen könnte, war auf dem Podium leider nicht zu klären. Krauß-Leichert meinte jedoch, dass bibliothekarische Kompetenzen im Überlebenskampf mit anderen, neuen Konkurrenten auf dem Dienstleistungsmarkt rund um Information weiterhin nicht ins Hintertreffen gerieten. Die Frage, ob es in zehn Jahren noch »BibliothekarInnen« gebe oder ob sich unter einer bereits praktizierten, veränderten Berufsbezeichnung auch andere Qualitäten verbergen, lässt sich aber wohl kaum mit einem Rundumschlag des Allein- stellungsmerkmals „Rundum-Kompetenz“ beantworten.

Auf große Resonanz stießen die Themen beim Publikum. Viele weitere Fragen rund um Bachelor- und Mas- terabschlüsse, aber auch zur FaMI-Ausbildung folgten der Diskussion und zeigten, dass die Zeit nach dem Bachelor an manchen Hochschulen vielleicht zu oft pauschal in der Praxis gesehen wird.

Um der Unsicherheit vieler (angehender) Fachmen- schen zu begegnen und den Diskurs lebendig zu halten, sollen diese Gespräche in breiterer Runde im kommenden Jahr an gleicher Stelle fortgesetzt werden. Ob sich bis dahin weitere Schwerpunkte aus der bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Forschung an der Schnittstelle zum Buchmarkt ergeben, die dringend einer studentischen Perspektive bedürfen, darf gerne auf dem LIS-Corner-Weblog weiter verfolgt werden.

Zuerst erschienen in:

Lowisch, Maximilian; Bausznern, Charlotte von; Zwiener-Busch, Gisela: 
Bachelor – quo vadis? Die LIS-Corner auf der Frankfurter Buchmesse 2012 zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des bibliothekarischen und informationswissenschaftlichen Studiums. In: IWP 63 (2012), 6, S. 387 – 388

Hot-Spot-Rückblicke

Da war er schon vorbei: Drei Stunden vergingen wie im Fluge. Ob das daran lag, dass der Verfasser zugleich Moderator war? Die Alumni Helmut Obst und Diana Marten waren super motivierte und interessante Gesprächspartner, die uns Einblicke in ihren früheren Studienalltag gaben. Dass die Digitalisierung voran schreitet, bejahten auch die beiden, wiesen aber darauf hin, dass immer noch ein Großteil der Ausleihen mit Print erzielt werden, wo wir wieder bei dem Thema sind, was bereites in dem Bericht zu Lobos und Passigs Buch anklang: Den Mittelweg zwischen begeisterten Technikinteressierten in den Leitungsebenen der Informationseinrichtung und der Benutzerschaft sowie der großen Masse, die vielleicht manchmal gar nicht so technikverrückt und hipp ist, wie wir es uns vorstellen.

Helmut Obst, der den berufsbegleitenden Master in Bibliotheks- und Informationswissenschaft am IBI in Berlin in diesem Jahr abgeschlossen hat und seit seinem Abschluss 2003 in Stuttgart Bibliotheksleiter einer OPL in München ist, rief mir ins Bewusstsein, wie diszipliniert und motiviert man für so einen berufsbegleitenden Master sein muss. Vielleicht also doch lieber einen konsekutiven machen?

LIS-Corner auf dem Hot Spot Scientific & Professional Information der Frankfurter Buchmesse

Im dritten Teil des Hot Spots mit Frau Prof. Dr. Ute Krauß-Leichert von der HAW Hamburg, sprachen wir dann auch über konsekutive Masterstudiengänge im Bereich der Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Bei der Frage, ob man nach dem Bachelor mit einem Master weiter machen soll, ist unter der Professorenschaft keine Einigkeit zu finden. Soweit ich es überblicken kann, existieren zwei Lager: Die, die den direkten Berufseinstieg befürworten und solche, die die zwei weiteren Studienjahre als persönliche und fachliche Bereicherung sehen. Frau Prof. Dr. Krauß-Leichert gehört zur letzteren Fraktion, bietet ihre Hochschule doch auch einen konsekutiven Master an. Selbst in der KIBA herrscht also keine Einigkeit. So befürwortet Frau Prof. Dr. Ursula Georgy, Vorsitzende der KIBA, den berufsbegleitenden Master. Ihre Hochschule bietet passenderweise auch einen solchen an. Wer nach dem Bachelor weitermachen will, muss das Institut verlassen. Wie sehen das eigentlich die Berliner und Potsdamer Professoren, an deren Instituten beide Möglichkeiten angeboten werden?

Was ich aus dem Gespräch mitgenommen habe, ist, dass der, der motiviert und interessiert an seinem Fach ist  – und vielleicht auch ein wenig prokrastinös -, der sich nach drei Jahren fühlt, als habe er von allem ein bisschen aber nichts richtig gelernt und sich im späteren Berufsleben alle Wege offen halten will, einen konsekutiven Master machen sollte.

Und wie ist die Meinung da draußen: Sind die Absolventen der konsekutiven Master auf dem Vormarsch?